Boom Drives (Christmas) Crazy

Band, Musiker, Weihnachten

Die Hamburger Band bringt Weihnachtsstimmung ins Hanseviertel

Erst wippt der Fuß mit, dann kommen die Schultern dazu und auf einmal klatschen die Hände im Takt der Musik mit – bei einem Auftritt der Band „Boom Drives Crazy“ die Füße still zu halten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die vier Musiker sorgen mit Schlagzeug, Gitarre und Kontrabass auf Privatfeiern, Stadtveranstaltungen, Firmenevents und – auch immer wieder – im Hanseviertel für die passende Stimmung. Dort hatten sie vor 28 Jahren auch ihren ersten Auftritt.

Für die Adventssamstage haben die vier Weihnachtsmusik zusammengestellt und ihre Lieblingsklassiker einstudiert. Von 11 Uhr bis 18 Uhr spielen sie immer zur vollen Stunde an der kleinen Rotunde.

Der Ton macht die Musik

Ihr musikalisches Zuhause sind die 1950er- und 1960er Jahre. Neben ihrem Steckenpferd, dem Rock ’n’ Roll, stehen auch Songs aus den Genres Soul, Surf, Jazz oder Popmusik auf ihrer langen Songliste. Mehr als 120 Songs können die Vier zu jeder Zeit aus dem Ärmel schütteln.

Die Besonderheit der vier Musiker ist sicherlich ihre Bühnenerfahrung. „Musik spielt für uns die größte Rolle, das Ego immer weniger“, erzählt Gitarrist Christian Hilmer. Er meint damit, dass die Band auf manchen Veranstaltungen nicht der Mittelpunkt des Geschehens sein muss. In ihrer 28-jährigen Bandgeschichte, und seit 22 Jahren in der heutigen Vierer-Konstellation, haben die „Rock ’n’ Roll“-Liebhaber gelernt, die Stimmung und den Moment zu erkennen und genau den passenden Ton zu treffen.

Eine feste Songliste gibt es bei den Auftritten nicht. Frontsänger Zico gibt sozusagen den Ton an und entscheidet je nach Stimmung den nächsten Song. Auch die Lautstärke passt die Band dem Ambiente an. Wenn bei einer Veranstaltung die persönlichen Gespräche im Vordergrund stehen, spielen sie die Hintergrundmusik.

Wie alles begann…

Angefangen hat alles vor 28 Jahren auf den Straßen Hamburgs. Nicht irgendeine Straße – An der Ecke Poststraße und Große Bleichen, direkt vor der Einkaufspassage Hanseviertel Hamburg, erklangen die ersten Töne der Band. Damals bildeten sich viele Trauben um die Musiker und tanzten und klatschten zu den kunterbunt gemischten Oldies aus den 1950ern und 1960ern. Heute erinnern sich Christian und Zico zurück: „Wir mussten manchmal richtig aufpassen, dass die Zuschauer die Eingänge und Wege freihalten“.

Kennengelernt haben sich die beiden 1991 bei einem gemeinsamen Freund. Gemeinsam gründeten sie die Band mit dem Ziel, Rockstars zu werden. Der Bandname „Boom“ reichte Zico nicht aus. Er hängte „Drives Crazy“ dran und so entstand der ungewöhnliche Name „Boom Drives Crazy“. Die beiden Bandkollegen ergänzen sich perfekt. Zico kümmert sich um die Technik und Ästhetik, Christian um das Geschäft. Das erste Jahr war ein ganz Besonderes, die Band ist voller Euphorie und Enthusiasmus. Sie wurden sogar direkt zu einem Auftritt im Fernsehen eingeladen. „Danach ist es wie bei Verliebten: Wenn die Schmetterlinge verfliegen, stellt sich heraus, passt es oder passt es nicht. Bei uns hat es perfekt gepasst“, erzählt Christian.

Später kamen dann der Drummer Leo Harris sowie Volker Schwanke und John Lahann mit dem Kontrabass hinzu. Volker und John teilen sich die Auftritte. Die neue Besetzung hat frischen Wind und viel musikalische Erfahrung in die Gruppe gebracht. Heute sieht sich die Band als Dienstleister, sie spielt auf großen und kleinen Events in ganz Deutschland. Dennoch ist sie der anfänglichen Straßenmusik treu geblieben. „Wir nennen das heute eher Straßenakquise“, erzählt Christian. Hier haben sie viele langjährige Kontakte geknüpft und kleine und große Aufträge an Land gezogen – und das machen sie auch heute noch. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen eine Gruppe Abiturienten, die die damals frisch gestartete Band vor dem Hanseviertel entdeckten und sie direkt für ihren Abi-Ball buchten.

Doch die Straßenmusik hat sich laut der Musiker verändert. Die Zeiten von Smartphones und Co. haben die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer verkürzt. Während früher manche Passanten über Stunden den Musikern lauschten, bleiben sie heute oft nur für ein kurzes Video oder Bild stehen. Der Spirit und Spaß an der Sache bleibt trotzdem und die Musiker bleiben ihren musikalischen Anfängen, der Straßenmusik, treu.